COUTURISTAFashion for Progressive Minds

Haute Couture Paris | Frühjahr/Sommer 2019 

Die Geburtsstadt der Haute Couture öffnete am 2101.2019 anlässlich der alljährlichen Frühlings- und Sommerkollektionen ihre Türen für die großen Modehäuser. Die Kollektionen sind schrill, extravagant, exzentrisch, klassisch, feminin und vornehm; also in etwa alles, was die Mode zu bieten hat. Sehr unterschiedlich präsentieren die großen Labels wie Chanel, Christian Dior, Elie Saab, Jean Paul Gaultier, Maison Margiela, Viktor & Rolf, Balmain und Schiaparelli ihre Haute Couture für die warmen Jahreszeiten. Während Maison Margiela und Viktor & Rolf besonders schrille und exzentrische Kollektionen präsentieren, setzen Chanel und Balmain auf eher klassische Mode. Spektakulär ist insbesondere die Schau von Christian Dior, inszeniert als Zirkusvorführung. COUTURISTA gibt dir einen Überblick zur Haute Couture Schau 2019 und zeigt dir die außergewöhnlichsten Looks.

Street Art bei Maison Margiela

Maison Margiela ist bekannt für seine progressiven Modevisionen. Auch in der Haute Couture Schau zeigt das Modehaus seine Kreativität, die einen jungen urbanen Zeitgeist widerspiegelt. Das Setting ist bunt und schrill, inspirirert vom legendären Club 57 des East Village der 1980er Jahre. John Galliano, Kreativdirektor der Marke, schöpft seine Ideen für die Kollektion aus zahlreichen Elementen der Kunst, des Film, der Literatur - und dem Leben, wie er selbst sagt. Die ersten Looks tauchen chammäleonartig in die Kunst der bunten Hintergrundinstallationen ein. Die Kleidungsstücke selbst bilden viele kleinteilige Kunstwerke, die fast schon für Haute Couture zu schade wirken, um sie zu tragen. Genderunabhängig kommen die Eröffnungslooks daher, verziert mit außergewöhnlichen Stoffen, Federn, Bändern. Die weiteren Looks der Männer werden sodann ruhiger; geben sie nun aufgrund ihrer dunklen Farben einen Kontrast zum Hintergrund ab. "Alles ist fertig und dann willst du es cleaner machen" sagt der Kreativdirektor von Maison Margiela. Glücklicherweise ist seine Vorstellung von "clean" weitaus lauter als viele andere Kollektionen, die auf der Haute Couture Schau zu sehen sind. 

Statements bei Viktor & Rolf

"No photos please", "I'm not shy I just don't like you" oder "I am my own muse" verzieren die voluminören Kleider von Viktor & Rolf. Lediglich zu erahnen ist der Umfang der feinteiligen Schneiderarbeit, die für die volantbesetzen Kleider investiert worden sein müssen. Feine Stoffe und grelle Farben bilden in Kombination mit Statements eine interessante Kollektion des Modehauses. Frech, selbstbewusst und jung sind die Sprüche, während die ausfallenden und voluminösen Schnitte an barocker Kleidung erinnern. Das holländische Designerteam vereint in ihren Kollektionen Mode und Kunst, stets avantgardistisch und exzentrisch. Obwohl Kleidung mit Statements längst keine Neuheit ist, gehen sie doch in Kombination mit pastelligen Tönen einen interessanten Twist ein. 

Engelsgleiche Aliens bei Balmain

Wunderschön, elegant und nicht von dieser Welt präsentieren die Mannequins die Haute Couture Kollektion von Balmain. Der Inbegriff von Haute Couture ist diese Kollektion; futuristisch und klassisch zugleich. Die Farbwelt der Looks besteht aus weiß und zarten Pastelltönen, die sich ebenso in einem großartigen und aufwendigen Make-Up und Styling widerspiegeln. Obgleich viele Schnitte eher kantig und asymetrisch sind, vermitteln die Models in ihren Outfits eine besondere Zartheit, die in dieser Kombination einzigartig ist. Kreativdirektor Olivier Rousteing, der das Modehaus Mitte der 2000er Jahre wiederauferstehen ließ, schafft mit dieser Haute Couture ein echtes Highlight der Pariser Modenschau. 

Volants und Wilder Westen bei Schiaparelli

Die Kollektion von Schiaparelli ist bunt, einerseits in Anbetracht der Farbvieltfalt, andererseits in Bezug auf die unterschiedlichen Stile und Ideen. Die Kohärenz leidet in der Tat darunter, so ist der rote Faden nicht wirklich zu erkennen. Einige Looks sind romantisch, mit Blumen verziert und pastelligen Farben. Andere Looks sind pompös, mit Federn oder Glitezrsteinen geschmückt und in exzentrischen Schnitten. Der Westernstil ist losgelöst vom Rest in Form von Stiefeln inszeniert, wirken jedoch trotz Trendgarant eher deplaziert. Einige Outfits sind inspirierend, wie etwa der Eröffnungslook, der aufgrund seiner Elfenhaftigkeit in Kombination mit besagten Westernstiefeln einen angenehmen Trashmoment bekommt. Alles in allem ist die Schau des Kreativdirektors Bertrand Guyon interessant aber nicht kohärent.

Klassisch in schwarz und weiß bei Givenchy

Auf Haute Couture Schauen besteht oft die Gefahr eines Biedermeier-Charmes. Auch It-Modehaus Givenchy kann sich dieser Gefahr nicht entziehen, auch nicht mit It-Topmodel Kaia Gerber. Die handwerklich aufwendige Kleidung aus Spitze ist zweifelsohne bis in die Perfektion gefertigt, aber Emotionen kommen bei der Betrachtung nicht wirklich auf. On top der biederen Spitze trägt das Model einen übergroßen Perlenkranz auf dem Kopf. Theatralische Musik und ein Standardlaufsteg unterstreichen die Altbackenheit so mancher Looks. Nichtsdestotroztz punktet Givenchy auch mit vielen klassichen aber moderneren Looks wie das Eröffnungsoutfit mit asyetrischem Blazer und enger Lackhose. Auch die mit bunten Fäden verzierten Kleider sind des Modehauses würdig und schenken einem die Inspiration, die man sich von Givenchy erhofft. 

Zirkusattraktion bei Christian Dior

Eine Modenschau der Superlative zeigt Christian Dior in Paris, inzeniert in einem Zirkus mit Artistinnen und Artisten. Das Label schafft es, seine Kollektion trotz der ausladenden Attraktionen im Vordergrund stehen zu lassen. Zwar nicht besonders aufregend, aber mit viel Emotionen sind die Kleider von Dior anzuschauen, so zart und feminin. Die haubenartigen Kopfbedeckungen bilden und das artistinnengerechte Make-Up bilden eine gute Kohärenz der Schau. Der Gigant Dior liefert ab.