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Interview mit Marie

10.10.2019

Viele junge Menschen spielen mit dem Gedanken, Modedesign zu studieren. Im COUTURISTA-Interview sprach ich mit Marie über ihre Modedesign-Ausbildung an der Lette Verein Berlin.

Viele junge Menschen spielen mit dem Gedanken, Modedesign zu studieren. Im COUTURISTA-Interview sprach ich mit Marie über ihre Modedesign-Ausbildung an der Lette Verein Berlin.

Geschrieben von Sophia Hess, 28.07.2019

Nach dem Schulabschluss stellt sich die Frage: Was will ich beruflich machen? Doch in einem so jungen Alter ist es meist gar nicht so einfach, diese weitreichende Frage zu beantworten. Hinzu kommt, dass die Ausbildung oder das Studium nicht selten mit einem Umzug verbunden ist. Finanzelle Faktoren spielen ebenso eine Rolle wie der Einfluss von Familie und Freunden. Wie soll man diese Entscheidung überhaupt treffen, wenn man keine Vorstellungen vom Arbeitsmarkt hat, der zudem einem ständigen Wandel unterliegt?

Leider gibt es keine allgemeingültige Antwort. Der Berufsweg ist von vielen Faktoren abhängig; nicht zuletzt von solchen, die man selbst nicht kontrollieren kann (etwa, ob man aufgrund des ethnischen Hintergrunds oder des Geschlechts latent oder aktiv diskriminiert wird). Dennoch ist wahrscheinlich das einzig Sinnvolle, seine beruflichen Interessen neben dem Besuch von Infoveranstaltungen und einer allgemeinen Recherche einfach auszutesten.

Wer etwa einen bestimmten Studiengang präferiert, sollte sich nicht von vermeintlichen Risiken abschrecken lassen, sondern diesen zunächst ausprobieren. Wichtig ist vor allem, nach dem Studienbeginn eine schnelle Bilanz zu ziehen und gegebenenfalls einen anderen Ausbildungsweg oder Studiengang zu wählen, wenn die erste Wahl doch nicht die richtige war. Ein schneller Wechsel ist bei weitem nicht so dramatisch wie eine absolvierte Ausbildung oder ein Studium, welches man im Grunde nicht mag.

Auch Marie hat erst bei ihrer zweiten Ausbildungswahl ihre Erfüllung gefunden. Schnell wurde ihr klar, dass ihr die erste Ausbildung im Umfeld ihres Familien- und Freundeskreises nicht gefällt. Stattdessen wollte sie Modedesign studieren und zwar in Berlin. Im Interview für COUTURISTA haben wir darüber gesprochen, wie sich Marie zunächst gegen die Vorstellungen ihrer Familie durchsetzen musste und welche Eindrücke sie nach dem Neustart in Berlin gewonnen hat. Zudem verriet sie mir, wie eine Modedesign-Ausbildung organisiert ist und welche Voraussetzungen Modeschulen von ihren Schüler*innen erwarten.

Wie bist du zum Modedesign-Studium gekommen?

Das war bei mir ein relativ langer Weg. Ich komme aus einer kleineren Stadt in der Nähe von Bielefeld. Ich habe mich schon immer für Kunst und Design interessiert, habe ständig gezeichnet und wollte gern was in dieser Richtung machen. Aber wenn man in einer kleinen Stadt wohnt, ist das alles ein bisschen schwieriger. Meine Eltern wollten, dass ich etwas „Vernünftiges“, also Bodenständiges mache. Ich habe zuerst eine „ganz normale“ Ausbildung gemacht. In dieser Zeit habe ich aber den immer größeren Drang verspürt, etwas Kreatives zu machen, in eine größere Stadt zu ziehen und generell mehr zu sehen. Zuerst habe ich mich von meinen Eltern leiten lassen, weil es eben sicherer war zu bleiben und dort eine Ausbildung zu machen. Aber in der Ausbildung habe ich schnell gemerkt, dass das meine Bedürfnisse so gar nicht befriedigt. Ich habe immer mehr gezeichnet, mich informiert und irgendwann an einem Nähkurs und einem Zeichenkurs teilgenommen. Irgendwann wurde der Wunsch zu nähen immer stärker, während mich die Ausbildung immer unglücklicher gemacht hat. Deshalb habe ich dann zu meinen Eltern gesagt, dass ich die Ausbildung abbrechen und in eine große Stadt ziehen werde.

Und was haben deine Eltern dazu gesagt?

Das Erste, was meine Mama gesagt hat, war: „Marie, du kannst doch gar nicht zeichnen!“ und „du wirst doch da überhaupt nicht angenommen“. Dann habe ich meinen Eltern meine Zeichnungen gezeigt und sie haben sich tatsächlich immer mehr damit angefreundet. Sie haben realisiert, dass ich Talent habe und es mir Spaß macht.

Warum hast du dich letztendlich für Berlin entschieden?

Ich habe mich in Hannover und Berlin beworben und wurde tatsächlich an beiden Schulen angenommen. Für Berlin habe ich mich entschieden, weil es mir am Infotag dort unglaublich gut gefallen hat. Es war direkt ein familiäres Gefühl. Es lag vielleicht auch daran, dass es keine Uni, sondern ein Berufsausbildungszentrum ist. Da ist alles persönlicher und enger.

Was waren da die Voraussetzungen?

Ich musste zuerst eine Art Hausaufgabe machen, die mir zugeschickt wurde. Ich glaube, wir mussten zehn Outfits designen und zeichnen, ein Stillleben und eine Collage zeichnen. Danach bin ich eine Runde weitergekommen und konnte dann zu einem Aufnahmegespräch mit meiner Mappe und meinen eigenen Zeichnungen kommen. Da durfte man wirklich alles reinlegen, also das, was einen selbst ausmacht.

Wie sieht es mit dem Thema Abschluss aus? Braucht man unbedingt Abitur?

Nein, an einer Modeschule gar nicht. Bei uns gibt es auch viele Leute, die gar kein Abitur haben. Talent und Leidenschaft sind die ausschlaggebenden Kriterien.

Und dann hast du die Zusage bekommen?

Nach dem Gespräch habe ich zunächst noch nichts gehört, aber nach ungefähr zwei Wochen habe ich dann den Ausbildungsvertrag zugeschickt bekommen. Auch meine Eltern haben sich dann für mich gefreut und stehen seitdem auch total hinter mir (lacht).

Wie lang geht die Ausbildung?

Die Ausbildung geht drei Jahre. Die acht besten Schüler*innen haben danach die Möglichkeit – wenn sie es möchten - in die Meisterklasse zu kommen und ein Ausbildungsjahr geschenkt zu bekommen. Die Ausbildung kostet Geld, also etwa 90 Euro im Monat. Klar, ist es viel Geld für eine Ausbildung, aber es ist nicht so viel wie in anderen Schulen.

Ist die Ausbildung so, wie du sie dir vorgestellt hast?

Wir arbeiten sehr viel praktisch, aber dafür habe ich mich auch bewusst entschieden. Das Besondere ist, dass man die ganze Entwicklung der Kollektion mitbekommt. Man lernt wirklich alles von der Entstehung bis zur Produktion. Wir nähen sehr viel und machen schon unsere eigenen Kollektionen. Wir haben klassische Theoriefächer wie BWL, Modegeschichte, Kollektionsgestaltung aber auch Schnittfertigung und viele handwerkliche Sachen.

Wie viele Leute seid ihr in der Klasse?

Pro Semester gibt es zwei Klassen. In meiner Klasse sind elf Leute. Viele Leuten haben vor der Ausbildung Angst, weil sie denken, sie müssten vorher schon perfekt zeichnen können. Aber das ist nicht so, genau das lernen wir ja in der Ausbildung. Man muss Talent und ein Auge für Design haben, das Potenzial ist glaube ich am wichtigsten.

Kommt es für dich in Frage, dich danach selbstständig zu machen?

Also ich würde es nicht ausschließen, aber ich kann es jetzt noch nicht so genau sagen. Man kann danach so viele verschiedene Sachen machen, wie Modejournalismus, Modemarketing, Schnittmacher*in... Man kann danach auch noch ein Studium ranhängen. Es gibt so viele Möglichkeiten. Ich bin ja erst im ersten Jahr und ich denke, es wird sich dann mit der Zeit herausstellen, was mir besonders gut gefällt.

Gibt es auch Hürden oder Schwierigkeiten in der Modedesign-Ausbildung?

Die Ausbildung ist definitiv sehr anspruchsvoll. Wir haben immer Anwesenheitspflicht, wir haben einen Stundenplan, müssen immer da sein und dürfen nicht zu spät kommen. Wir haben schon viel zu tun. Man muss sich dessen bewusst sein, dass man nicht so viel Freizeit hat wie andere vielleicht. Es gibt oft Nächte, in denen ich durchzeichne oder durchnähe aber ich weiß immer wofür ich das mache. Ich mache es eben gern und habe nicht das Gefühl, dass ich es machen muss.

Gibt es eigentlich viele Abbrecher*innen?

Bei uns haben bisher drei Leute abgebrochen. Für Manche ist es nicht so wie sie es sich vorgestellt haben oder sie präferieren doch ein Studium. Es gibt auch Leute, die feststellen, dass es nichts für sie ist, die sagen: „ich zeichne unglaublich gerne aber Mode ist einfach nicht so mein Ding“.

Hast du für diejenigen Tipps, die noch zur Schule gehen und gern die Modedesign-Richtung gehen wollen?

Es gibt viele bei uns, die schon nähen und zeichnen seitdem sie klein sind. Aber es gibt auch Leute, die sich am ersten Tag wirklich das erste Mal an die Nähmaschine gesetzt haben. Ich glaube, es gibt so viele Wege, wie man dahin kommen kann. Aber als Tipp würde ich sagen, dass man viel ausprobieren sollte, wenn man sich unsicher ist. Zum Beispiel kann man zu einem Nähkurs gehen oder sich die Modeschulen vorher anschauen.

Gibt es sonst noch etwas, worüber wir noch nicht gesprochen haben?

Ich glaube viele wissen gar nicht, dass es so viele Modeschulen gibt. In Berlin gibt es zehn Modeschulen und Hochschulen, die aber alle unterschiedlich sind. Jede Schule hat dabei eine unterschiedliche Ausrichtung.


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