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Was kann Mode im Zeitalter der Digitalisierung? Ein Plädoyer für Vielfalt

04.11.2019

Mode begleitet uns Tag für Tag. Sie ist Instrument für die ästhetische Gestaltung des Alltags, dient als Inszenierung von Identität und ist Indikator für soziale Zugehörigkeiten; Mode ist zweifelsohne ein wichtiger Bestandteil unserer materiellen Kultur.

Mode begleitet uns Tag für Tag. Sie ist Instrument für die ästhetische Gestaltung des Alltags, dient als Inszenierung von Identität und ist Indikator für soziale Zugehörigkeiten; Mode ist zweifelsohne ein wichtiger Bestandteil unserer materiellen Kultur.

Geschrieben von Sophia Hess

Was kann Mode im Zeitalter der Digitalisierung? Ein Plädoyer für Vielfalt

Mode begleitet uns Tag für Tag. Sie ist Instrument für die ästhetische Gestaltung des Alltags, dient als Inszenierung von Identität und ist Indikator für soziale Zugehörigkeiten; Mode ist zweifelsohne ein wichtiger Bestandteil unserer materiellen Kultur. Wohl eines der bedeutendsten Merkmale von Mode ist nicht zuletzt ihre soziale Dynamik: sie ist wandelbar und unterliegt gesellschaftlichen, politischen und historischen Gegebenheiten.

Trends werden nun auch von Konsument*innen mitbestimmt

Während Trends noch vor 50 Jahren von einzelnen Modehäusern wie Dior bestimmt wurden, diktiert heute der globale Markt was en vogue ist. Eine weitere Umwälzung der Einflussstrukturen ist jedoch unlängst der globalen Digitalisierung geschuldet: Trends werden nicht mehr nur von Produzent*innen, sondern auch von Konsument*innen mitbestimmt. Die enorme Reichweite von Influencer*innen ist längst zur Alltagswelt geworden. Damit verschieben sich auch Machtstrukturen innerhalb der Modewelt. Während in der Branche bislang diejenigen Erfolge hatten, die über eine entsprechende Ausbildung, das Netzwerk oder den Status verfügten, haben heute auch junge Personen ohne fachbezogene Ausbildung und Netzwerk realistischere Handlungsspielräume, den Markt zu beeinflussen. Aus dieser Perspektive hat Mode im Zeitalter der Digitalisierung durchaus das Potenzial, zu einem Abbau sozialer Ungleichheiten beizutragen. Endlich haben Personen aus benachteiligten Gruppen - seien es Muslime, Queer-People oder körperlich eingeschränkte Personen – eine signifikante Plattform, auf der sie sich ästhetisch ausleben und austauschen können.

Muslimische Influencerinnen

Zu den wohl prominentesten muslimischen Fashion- und Beauty-Influencerinnen gehören Halima Aden und Huda Kattan, die mit und ohne Hijab große Vorbilder für viele muslimische wie auch nicht-muslimische Follower*innen sind. Wie stark etwa muslimische Influencer*innen auch die Mode- und Werbeindustrien beeinflussen, zeigt sich nicht zuletzt an jenen Kollektionen großer Modehäuser, die sich von der muslimischen Mode oder vom interethnischen Lifestyle sichtlich inspirieren lassen.

Das Kopftuch in den Kollektionen der großen Labels

Neben der Sportkollektion von Nike, die den Hijab für Sport und Fitness ins Sortiment aufnimmt, zeigt Gucci in der Herbst-/Winter-Kollektion 2018/19 neben Science-Fiction-Elementen zahlreiche Accessoires und Kopfbedeckungen aus dem Christentum, Hinduismus und dem Islam. Vorreiter war dabei das Label Dolce und Gabbana, welches erstmals 2015 eine Hijab-Linie für seine muslimischen Kundinnen entwarf. Auch der Chefdesigner von Vetements und Creative Director von Balenciaga, Demna Gvasalia, verbindet Kopfbedeckungen unlängst in seinen Kollektionen mit Oversize-Teilen, inspiriert aus den 90er und 00er Jahren.

Inspiration aus der osteuopäischen Jugendkultur

Neben diesen It-Labels zeigt auch Gosha Rubchinskiy seine Affinität zur Straßenmodekultur. Stylings und Settings des russischen Designers sind stark geprägt von der rauen, technoaffinen und hippen osteuropäischen Jugendkultur, welche von hoher Jugendarbeitslosigkeit einerseits und einem großen künstlerischen Potenzial andererseits beeinflusst ist.

Osteuropäische Influencerinnen

Pauline (Instagram: sovietnam), Sintia Natalia Davida oder Sonya Mohova bieten mit ihren Instagram-Profilen für jene Labels beste Inspirationsgrundlage. Sie stellen Mode als hippen Trash-Lifestyle dar, bedienen sich urbanen Styling-Elementen, tragen Labels in second-hand. Die Inspiration zwischen Produzent*innen und Konsument*innen ist daher nicht mehr nur ein einseitiges Konstrukt, sondern vielmehr eine wechselseitige Symbiose aus Lifestyle und Konsum. So wie Mode ein politisches Statement sein kann, so ist sie auch Ausdruck von Lebensgefühl und Stimmung. Die Digitalisierung globalisiert Mode, eröffnet aber auch neue Chancen für Kreative. Es bleibt spannend, wie sich Mode weiterhin entwickeln und sie die Gesellschaft neben anderen Kunstformen beeinflussen wird.


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